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Porto Santo , Ponta da Canaveira

 

Was Porto Santo so besonders macht

Warmer goldgelber Sand rieselt auf meine Beine, begräbt die Arme, langsam bedeckt er den ganzen Körper, bis nur noch der Kopf aus dem wunderbar warmen Sandkasten ragt. Ich döse ein, um eine halbe Stunde später als Wiener Schnitzel im Spa meines Hotels der Hot-Sand-Therapie zu entsteigen. Sie soll gut für Gelenke und Muskeln sein, da der Sand vor Mineralstoffen wie Jod, Kalzium und Magnesium strotzt. Eine angenehme Art, mit dem Sandschatz von Porto Santo Bekanntschaft zu machen. Die andere: Sich einfach ans Meer zu legen und in die türkisblauen Wellen des Atlantiks abzutauchen. Denn die portugiesische Insel hat etwas, was der großen Schwester Madeira fehlt: Strand wie Sand am Meer, nie überfüllt. Neun Kilometer lang erstreckt sich die Praia do Porto Santo fast über die gesamte Südküste und beschert der kleinen Insel zusammen mit dem milden
Klima großes Badeglück vom Frühjahr bis zum späten Herbst.

Was Sie auf Porto Santo erleben können

Vor Millionen von Jahren tauchte Porto Santo bei vulkanischen Aktivitäten aus dem Meer auf und ist bis heute relativ unbekannt geblieben. Obwohl dort um 1480 Christoph Kolumbus aufkreuzte, die Tochter des portugiesischen Statthalters Bartolomeu Perestrelo heiratete und beim Blick aufs Meer Pläne für seine Entdeckungsfahrten geschmiedet haben soll. Das beschert dem Hauptort Vila Baleira die Casa Colombo, die zwar nicht im Original erhalten ist, aber in einem historischen Gebäudeensemble als Museum mit Seekarten und Aufzeichnungen von Kolumbus die Hauptattraktion (Travessa da Sacristia 2/4, www.visitportosanto.pt).

 

Jeden September nimmt ein Nachbau der »Santa Maria« Kurs auf Porto Santo, ein Kolumbus samt Crew steigt an Land, um das Festival Colombo zu feiern (13. bis 15.09.2018). Noch fröhlicher geht es am 23. und 24. Juli bei den Festas de São João zu: Musikkapellen ziehen durch die Gassen, auf den Plätzen wird getanzt, und die poncha fließt in Strömen – ein betörender Mix aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronensaft.

 

Der zentrale Platz von Vila Baleira, der Largo do Pelourinho, liegt in schläfriger Spätsommerhitze. Von der Fassade der Pfarrkirche Nossa Senhora da Piedade von 1430 leuchtet ein meerblaues Azulejo-Medaillon. Das von Drachenbäumen flankierte alte Rathaus, die Casa da Câmara Antiga, strahlt mit seinen breiten Treppen gelassene Würde aus. Obwohl die meisten der rund 5500 Inselbewohner in der Stadt leben, hat sie ihren dörflichen Charakter bewahrt, mit ein paar kleinen Läden, einer Handvoll Cafés und Restaurants – und wohltuend ohne Konsum-Klimbim. Bunt angemalte schmale Strandhäuser nahe dem Hafen, in denen die Fischer früher ihre Netze verstauten, dienen heute als Urlaubsdomizile.

 
Vila Baleira, Porto Santo
 

Entdeckungstouren auf Porto Santo

Hätte die Nato nicht in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf einen Landeplatz gepocht, gäbe es heute vielleicht noch keinen internationalen Flughafen und nur die Fährverbindung nach Funchal. Die bringt im Juli und August vor allem Madeirer auf die Sandinsel. »Dann wird es hier etwas voll«, sagt Higino Santos, mit dem ich das karge felsige Hinterland erkunde. Auf der Insel geboren, zuerst Taxifahrer und jetzt mit seiner Tourismusagentur Lazermar Guide für Gäste, kennt er jeden Winkel: Gesteinssäulen bilden wie Orgelpfeifen am Pico de Ana Ferreira ein beeindruckendes 283 Meter hohes Relief. Den schönsten Sonnenuntergang erlebt man vom Miradouro das Flores oberhalb des Südwestzipfels Ponta da Calheta, mit Blick auf die vorgelagerte Felsinsel Ilhéu de Baixo. Wanderer wagen den anstrengenden Aufstieg zum 516 Meter hohen Pico do Facho, der mit einen atemberaubenden Blick über die karge Insel belohnt. Auf der Hochebene bei Portela erinnern Windmühlen an die Zeit, als auf Porto Santo noch Getreide wuchs und gemahlen wurde. Raubbau an den Drachenbaumwäldern ließ im Laufe der Jahrhunderte den Boden austrocknen und machte die Landwirtschaft unrentabel. »Erst seit der Nelkenrevolution 1974 wird unsere Insel wieder grüner, seitdem läuft ein Wiederaufforstungsprogramm«, sagt Santos und führt mich zur Inselbaumschule: Jeder, der sein Grundstück begrünen will, erhält hier Setzlinge gratis.

 

 

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